Nicht, wer ich bin.
Sondern, wie ich arbeite.
Wenn Du mich fragst, was ich beruflich mache, würde ich wahrscheinlich sagen:
Ich bin Persönlichkeitstrainer.
Das beschreibt meine Arbeit.
Aber noch nicht besonders gut, warum ich sie mache.
Mit zwei Metern schwer zu übersehen
Ich weiß noch, wie ich in der Schule mit mehreren Mitschülern im Kreis stand.
Wir unterhielten uns über ein Thema und während die anderen redeten, hatte ich selbst einige Gedanken dazu im Kopf.
Ich hätte etwas sagen können.
Tat ich aber nicht.
Denn ich erinnerte mich an andere Situationen, in denen ich meine Meinung gesagt hatte.
Ich wurde ausgelacht.
Als dumm bezeichnet.
Andere hielten das, was ich sagte, für völligen Quatsch.
Und ich wusste noch ziemlich genau, wie sich das angefühlt hatte.
Also hielt ich dieses Mal einfach meinen Mund.
Das war angenehmer.
Niemand konnte mich für etwas auslachen, das ich nicht sagte.
Mit meinen zwei Metern Körpergröße war es für mich nie besonders leicht, irgendwo nicht aufzufallen.
Und trotzdem habe ich lange ziemlich viel dafür getan, nicht anzuecken.
Ich nahm wahr, wie andere reagieren könnten.
Was kann ich sagen?
Was kommt gut an?
Wo könnte es unangenehm werden?
Und wann ist es einfacher, etwas einfach für mich zu behalten?
Das hat mich nicht zu einem stillen Menschen gemacht.
Aber wenn es darum ging, mich mit etwas zu zeigen, bei dem Ablehnung möglich war, wurde aus einem Gedanken schnell ein Abwägen.
Und aus dem Abwägen manchmal Schweigen.
Mein beruflicher Weg war ziemlich eindeutig.
Also überhaupt nicht.
Nach meinem nicht bestandenen Abitur wusste ich erst einmal nicht, wo es für mich hingehen sollte.
Ich wollte das Abi nicht wiederholen und hatte auch keinen fertigen Plan B.
Ich arbeitete erst einmal, machte später ein FSJ und bekam darüber meine Fachhochschulreife.
Danach begann ich eine Ausbildung zum Mechatroniker.
Nach ungefähr eineinhalb Jahren wusste ich:
Das wird langfristig nicht mein Weg.
Ich habe die Ausbildung trotzdem abgeschlossen.
Später studierte ich neben meinem Beruf BWL.
Und falls Du jetzt auf den Moment wartest, an dem plötzlich alles Sinn ergeben hat und ich meine Berufung gefunden habe:
Der kam nicht.
Im Gegenteil.
Je mehr Möglichkeiten ich sah, desto mehr konnte ich mir vorstellen.
Technik kannte ich.
Wirtschaft interessierte mich.
Menschen in meinem Umfeld hatten Vorstellungen davon, was zu mir passen könnte.
Und irgendwo dazwischen versuchte ich herauszufinden, was davon eigentlich meins war.
Dann hielt ich einen Vortrag.
Während meines BWL-Studiums musste ich einen Vortrag halten.
Danach sagte meine Professorin zu mir, wie stark sie ihn fand.
Sie meinte, ich müsse unbedingt etwas in dieser Richtung machen. Als Dozent, Lehrer oder in einem anderen Bereich, in dem ich vor Menschen stehe und Wissen vermittle.
Dieser Moment ist mir geblieben.
Nicht weil ich danach nach Hause ging, meinen Job kündigte und plötzlich wusste, was ich mit meinem Leben anfangen wollte.
So war es nicht.
Ich arbeitete weiterhin als Mechatroniker.
Nach dem Studium ging ich kurzzeitig in den Vertrieb.
Die zwei freien Tage, die vorher für mein Studium draufgingen, nutzte ich später mit einem Freund, um an einem eigenen Projekt zu arbeiten.
Und gleichzeitig gab es da etwas, das mich schon während meines Studiums immer stärker beschäftigte:
Menschen.
Ich lernte unglaublich gerne.
Ich beschäftigte mich mit Persönlichkeitsentwicklung und damit, warum wir denken, entscheiden und handeln, wie wir es tun.
Und der Gedanke, irgendwann selbst als Trainer oder Coach zu arbeiten, war längst da.
Ich konnte nur noch nicht sagen, wie genau das aussehen würde.
Lange dachte ich, Klarheit müsste vor der Entscheidung kommen.
Heute sehe ich das anders.
Vieles, was ich heute über mich weiß, wusste ich nicht, bevor ich losgegangen bin.
Ich habe es herausgefunden, weil ich Entscheidungen getroffen habe.
Manche davon würde ich heute anders treffen.
Andere haben mich in eine Richtung geführt, mit der ich vorher überhaupt nicht gerechnet hatte.
Meine Ausbildung hat mir gezeigt, was ich langfristig nicht machen möchte.
Und gleichzeitig nutze ich Dinge daraus bis heute.
Das Studium hat mir eine andere Welt geöffnet.
Der Vortrag meiner Professorin hat etwas sichtbar gemacht, das ich selbst noch nicht richtig greifen konnte.
Andere berufliche Entscheidungen haben mir wieder gezeigt, was passt und was nicht.
Irgendwann habe ich verstanden:
Ich muss mein Leben nicht erst vollständig verstanden haben, bevor ich anfangen kann, es selbst zu führen.
Manchmal weißt Du längst, was Du möchtest, und traust Dich nicht, danach zu handeln.
Und manchmal weißt Du es wirklich noch nicht.
Dann kannst Du noch hundertmal über dieselbe Frage nachdenken.
Irgendwann brauchst Du eine Entscheidung, eine Erfahrung und die Bereitschaft, anschließend ehrlich hinzuschauen, was Du daraus gelernt hast.
Das hat meine Sicht auf Persönlichkeitsentwicklung stark verändert.
Und falls Dir das bis hierhin etwas zu ernst wurde
Keine Sorge.
Ich laufe nicht den ganzen Tag tiefgründig durch die Gegend und frage Menschen nach ihren verdrängten Entscheidungen.
Wobei mein Gesicht offenbar etwas anderes vermuten lässt.
Wenn ich entspannt bin oder mich konzentriere, sehe ich anscheinend regelmäßig so traurig aus, dass Menschen mich fragen, ob alles in Ordnung ist. 😂
Meistens ist alles in Ordnung.
Ich denke nur nach.
Ich mag subtilen Humor, bin gerne sarkastisch und erzähle zwischendurch völligen Quatsch, der mit dem eigentlichen Gespräch manchmal überhaupt nichts zu tun hat.
Meine Lache scheint ebenfalls genügend Wiedererkennungswert zu besitzen, um regelmäßig Thema zu werden.
Und ich höre gerne zu.
Wirklich gerne.
Ich schaue Menschen gerne in die Augen, weil mich interessiert, wer da gerade vor mir sitzt.
Es gab Gespräche, in denen mein eigener Redeanteil gefühlt nicht einmal bei einem Prozent lag und mein Gegenüber sich anschließend trotzdem für das tiefe Gespräch bedankt hat.
Solche Momente bedeuten mir viel.
Genau so möchte ich auch arbeiten.
Ich möchte Dir nicht erzählen, wer Du bist.
Und ich möchte erst recht nicht die Verantwortung für Deine Entscheidungen übernehmen.
Ich höre hin.
Ich frage nach.
Ich sage Dir auch, wenn ich etwas anders sehe.
Und ich bleibe mit Dir an Stellen, an denen es leichter wäre, schnell irgendeine schöne Erklärung zu finden und weiterzumachen.
Dabei arbeite ich ohne künstlichen Druck und ohne das Versprechen, dass eine ehrliche Entscheidung automatisch die angenehmere ist.
Manchmal wird ein Gespräch dadurch schwieriger.
Manchmal enttäuschst Du jemanden.
Manchmal stellst Du hinterher fest, dass Du Dich anders entscheiden würdest.
Auch das gehört zum Leben.
Für mich bedeutet Verantwortung deshalb nicht, immer die richtige Entscheidung zu treffen.
Es bedeutet, Deine Entscheidungen nicht ständig an andere abzugeben und bereit zu sein, aus dem zu lernen, was daraus entsteht.
Zurück zu Dir selbst.
Dieser Satz steht inzwischen unter meiner Arbeit.
Für mich bedeutet er nicht, dass irgendwo tief in Dir ein fertiges „wahres Ich“ liegt, das Du nur freilegen musst.
Und auch nicht, dass jedes Gefühl automatisch weiß, was richtig ist.
Es geht um etwas viel Einfacheres.
Dich selbst wieder ernst genug zu nehmen, um Dich in Dein eigenes Leben einzubeziehen.
Wahrzunehmen, was bei Dir passiert.
Eigene Entscheidungen zu treffen.
Zu erleben, was daraus entsteht.
Und Dich dadurch immer besser kennenzulernen.
Vielleicht ist genau das für mich Persönlichkeitsentwicklung:
Nicht immer mehr über Dich zu wissen.
Sondern immer mehr von Deinem Leben selbst zu führen.
Wenn Du mich kennenlernen möchtest
Dann musst Du nicht sofort mit mir arbeiten.
Ich habe einen kostenfreien Einstieg geschrieben, mit dem Du Dir erst einmal fünf Situationen anschauen kannst, die im Alltag schnell untergehen.
Vielleicht erkennst Du Dich in einer davon wieder.
Vielleicht auch nicht.
Beides ist in Ordnung.
Zurück zu Dir selbst.
Dein Michael 🧡